Cool-down Güssing – Geschäftsmodelle für innovative Kühltechnologien im Gebäudebestand in Güssing

Die Stadtgemeinde Güssing ist stark von sommerlicher Überhitzung betroffen. Im Gebäudebestand sind nachträgliche Kühl-Maßnahmen, welche nicht auf Basis herkömmlicher Retrofit-Klimageräte beruhen, schwierig zu realisieren. Im Projekt sollen energieeffiziente, als auch innovative Kühlsysteme, sowohl für Gewerbebetriebe, Wohnanlagen und Gebäude im öffentlichen Bereich umgesetzt, sowie entsprechenden Geschäfts- und Betriebsmodelle entwickelt werden.

Ausgangssituation

Das „Modell Güssing“ hat die Stadtentwicklung und ihre BewohnerInnen positiv beeinflusst, dass dadurch auch ein Mentalitätswandel in der Bevölkerung ausgelöst wurde. Tatsache ist auch, dass durch diese Entwicklung in der Stadt Güssing über 1.000 neue Arbeitsplätze entstanden sind (Quelle Statistik Austria: 2.136 Beschäftigte im Jahr 1991 und zum Vergleich 3388 Beschäftigte im Jahr 2006). Über 50 neue Betriebe haben sich in der Stadt Güssing angesiedelt. Der Strombedarf wird vermehrt auch durch die zahlreiche PV-Anlagen auf Dächern von privaten Haushalten bzw. Gewerbebetrieben gedeckt. Die vermehrt dezentrale Produktion von Solarstrom ist für das Güssinger Stromnetz teilweise bereits eine große Herausforderung. Netzdienliche und energieflexible Kühlsysteme zur Erhöhung der PV-Eigenstromnutzung sind daher vom Netzbetreiber äußerst erwünscht. Der Gebäudebestand in der Stadtgemeinde Güssing ist kleinregional sehr unterschiedlich. In der Innenstadt sind hauptsächlich Altbestände zu finden, die thermisch nicht saniert sind. Gewerbebauten sind meist älter als 15 Jahre, wobei vorwiegend wenig Rücksicht auf Sonnen- und Wärmeschutz genommen wurde. Wohnblöcke sind überwiegend von Genossenschaften errichtet worden. Für innovative und integrative Kühlsysteme besteht somit ein großes Potential.

Ziele & Ergebnisse

Übergeordnetes Ziel ist - die Demonstration - von intelligenten und vernetzten Kühlsystemen - samt klimaschutzorientierter, flexibler und netzdienlicher Energieversorgung - im Gebäudebestand - über mind. 6 sinnvolle Geschäfts-, Finanzierungs- und Betriebsmodelle - für ausgewählte Zielgruppen (Wohnbau, Büro, öffentliche Gebäude) - nach einem Open Innovation-Ansatz und mittels Co-Creation - in der Stadtgemeinde Güssing.

Innovation

Für ein Nachrüsten von klimaschutzorientierten und innovativen Kühlsysteme bei bestehenden Gebäuden bedarf es nicht nur neuer Technologien (z. B. ausgeklügelte (Nacht)Lüftung, prädiktive Bauteilaktivierung, Free-Cooling, Erdwärmetauscher zur Vorkühlung der Luft bei mechanischer Frischluftzufuhr, passive Kühlung unter Schaffung von Flexibilitäten im übergeordneten Versorgungsnetz mit Fokus auf Local Energy Communities etc.), sondern auch neuer und vor allem holistischer Ansätze (Kältedämmung, Fassadengestaltung, Schaffung eines passenden Mikroklimas vor dem Gebäude, angepasstes NutzerInnenverhalten, intelligente und vorausschauende bzw. prognoseorientierte Steuerung, Berücksichtigung des übergeordneten Energiesystems etc.). Hier setzt das Projekt an. Damit nicht inneffiziente, ausschließlich rein strombetriebene Retrofit-Kühltechnologien im Bestand forciert werden, sind klimaschonende und integrative Lösungen notwendig, welche gleichzeitig auch wirtschaftlich betrieben und finanziert werden können.

Forschungsergebnisse in die Praxis überleiten

Eine wachsende Zahl von Studien widmet sich dem neuen Trend zu Kollaborativen Ökonomien. Vielfach wurde gezeigt, dass Kollaborative Ökonomien die ökologische Effizienz erhöhen und sozial integrativ wirken können. Sie sind auch wirtschaftlich smart. Eine Reihe von Erfolgsfaktoren Kollaborativer Ökonomien sind bekannt. SMASH nutzt dieses Wissen für den Aufbau Kollaborativer Ökonomien auf Stadtteil-Ebene. Das Projekt entwickelt vorhandene digitale Tools weiter, um diesen Trend zu unterstützen.

Stadt als Testbed nutzen

Kollaborative Ökonomien profitieren von räumlicher Nähe ‒ SMASH arbeitet daher auf der Ebene des Stadteils „My Smart City Graz“. SMASH nutzt diesen neuen Stadtteil als Testbed für den Aufbau einer integrativen Kollaborationsarena und von Kollaborativen Ökonomien. Im Rahmen von Aktionsforschung untersucht das Projekt, wie auf diesem Weg der soziale Zusammenhalt, die Lebensqualität, die ökologische Performance und die Potenziale für eine lokale wirtschaftliche Prosperität gestärkt werden können.

Kommunalen Mehrwert erzeugen

Durch den intensiven sozialen Prozess von Vernetzung und Teilhabe trägt SMASH dazu bei, dass die neuen EinwohnerInnen von „My Smart City Graz“ eine starke Identifikation mit dem neuen Stadtteil aufbauen und ihr Lebensumfeld aktiv gestalten. Die Ergebnisse aus dem Testbed können die weitere Entwicklung der Smart City Graz inspirieren. Das Toolkit und die digitalen Werkzeuge, die SMASH entwickelt, können in anderen Grazer Stadtteilen oder Städten eingesetzt werden.

Summary

The municipality of Güssing is severely affected by summer overheating. Subsequent cooling measures that are not based on conventional retrofit air conditioning units are difficult to implement in existing buildings. Retrofitting climate protection-oriented and innovative cooling systems in existing buildings requires not only new technologies, but also new and, above all, holistic approaches (thermal insulation, facade design, creation of a suitable microclimate in front of the building, adapted user behavior, intelligent and forward-looking or forecast-oriented control, consideration of the higher-level energy system etc.). This is where the project comes in. Energy-efficient as well as innovative cooling systems for commercial enterprises, residential complexes as well as buildings in the public area are to be implemented and corresponding business and operating models are to be developed.

Zuletzt aktualisiert am 09/08/2020

Projektdaten – Umsetzungsprojekt im 11. Call

Projektstart: 01.04.2020
Projektende: 31.03.2023
Genehmigte Förderung: € 649.241
Genehmigte Projektgesamtkosten: € 1.082.070

Konsortium

Güssing Energy Technologies GmbH (Konsortialführer)
Forschung Burgenland GmbH - Sozialdepartment
O.K. Energie Haus GmbH
4ward Energy Research GmbH
Reiterer & Scherling GmbH
Joke-Systems GmbH

Ansprechpersonen

Projektleitung DI Katharina Kreuter, BSc. Güssing Energy Technologies GmbH +43 (0) 3322 42606333 E-Mail
Programm-Management Klima- und Energiefonds Mag. Heinz Buschmann, MSc +43 (0)1 585 03 90 E-Mail