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Klima- und Energiefonds

Mag.a Daniela Kain

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Rahmenprozess Modernisierung Arbeitersiedlungen

Mit der voranschreitenden wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung im frühen 20. Jahrhundert entstanden viele Arbeitersiedlungen, die auch heute noch die Struktur österreichischer Kleinstädte prägen. Die veralteten Bestandsgebäude, gekennzeichnet durch ihre schnelle und technisch einfache Bauweise, zeichnen sich jedoch durch einen enormen Energieeinsatz aus. Massive Einsparungspotenziale von Energieverbrauch und CO2-Ausstoß sind möglich und sollen nun durch integrative Modernisierungsmaßnahmen vorangetrieben werden. Ziel des durch den Klima- und Energiefonds initiierten Rahmenprozess ist die Einleitung konkreter Modernisierungsprojekte von Quartieren mit Arbeitersiedlungen aus den 1920er bis 1940er Jahren.

Erhebliches Energie- und CO2-Einsparungspotenzial im Gebäudesektor

Bei Bestandsgebäuden sind Einsparungspotenziale von bis zu 90% möglich, daher spielen sie eine zentrale Rolle bei der Erreichung von Klimazielen. Aufgrund der geringen energetischen Qualität der Gebäudehülle ist ein erhöhter Energieeinsatz erforderlich, ein hoher Anteil der Gebäude wird immer noch mit fossilen Energieträgern versorgt. Um eine möglichst hohe Wirkung von Maßnahmen im Gebäudesektor bzw. auf Quartiersebene zu erreichen, braucht es einen integrierten Ansatz bestehend aus Wärme-, Strom- und Mobilitätswende, inklusive sommerlichem Wärmeschutz und Grünraum. Also all jene Themen, die für Behaglichkeit und Lebensqualität in einem Quartier wichtig sind.

Theresia Vogel, Geschäftsführerin Klima- und Energiefonds: "Der Gebäudebestand spielt eine zentrale Rolle, damit Österreich bis 2040 klimaneutral wird. Trotz bisheriger Bemühungen ist immer noch ein erhebliches Energie- und CO2-Einsparungspotenzial im Gebäudesektor vorhanden: bereits bis 2030 ist hierzulande eine Reduktion um mindestens 3 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent notwendig. Damit gute Sanierungskonzepte rascher in die breite Umsetzung kommen, haben wir uns entschlossen, repräsentative Gebäudegruppen zu identifizieren und dafür Konzepte zu unterstützen. Eine solche Gebäudegruppe stellen unter anderem Arbeitersiedlungen aus den Jahren 1920 bis 1940 dar, die bisher nur selten – als Gruppe - im Fokus von integrativen Modernisierungsvorhaben gestanden sind. Der Klima- und Energiefonds geht daher verstärkt auf die zentralen Akteursgruppen von Arbeitersiedlungen wie Stadtverwaltungen, Hausverwaltungen und Modernisierungsfachleute zu, um in einem gemeinsamen Prozessdialog praxistaugliche Lösungsansätze zu entwickeln und Modernisierungsvorhaben rascher zum Erfolg zu verhelfen."

Erste Analyse abgeschlossen

Im ersten Schritt wurde untersucht, wie sich aktuell der Bestand an Quartieren mit Arbeitersiedlungen der 1920er bis 1940er Jahre (inklusive der Südtiroler Siedlungen) darstellt, welche Erfahrungen mit Modernisierungen dieses Gebäudebestands bestehen und welche Unterstützungsbedarfe bei den Akteursgruppen vorliegen. Es erfolgte eine Markterhebung durch Erfassung statistischer Daten, Erkundung von Good-Practice Beispielen, eine digitale Umfrage und persönliche Kontakte mit den Akteursgruppen.

Die Analyse zeigt auf, dass ein Modernisierungsbedarf dieser Gebäudegruppe gegeben ist, da sich Sanierungen in der Vergangenheit auf Einzelmaßnahmen oder Reparaturen beschränkten. Für die Modernisierung dieser Siedlungen besteht die zentrale Herausforderung in den geringen Rücklagen zur Finanzierung von Sanierungsmaßnahmen. Der Grund hierfür liegt in dem Umstand, dass Mieteinkünfte entsprechend den Regelungen des sozialen Wohnbaus für einkommensschwache BewohnerInnen limitiert sind. Für umfassende Sanierungen sind daher weder die erforderlichen Finanzmittel angespart, noch können diese über künftige Mieteinnahmen refinanziert werden. Die Anreize über die Wohnbauförderung sind für diese Bestandsquartiere zu gering und beziehen sich rein auf die Gebäude (und nicht auf ein Quartier). Ein geeignetes Finanzierungsmodell für die Modernisierung von Quartieren liegt nicht vor. Aktuell ist ein Trend zum Re-Constructing-Modell zu beobachten, bei dem die Gebäude abgerissen und vollkommen neu wiedererrichtet werden. Dabei gehen städtebauliche Qualitäten des Bestandsquartiers (Zusammenspiel aus Gebäuden, Grünraum und Verkehrsflächen) verloren. Potenziale für klimaneutrale Quartiere werden zudem nur ansatzweise genützt, da kein quartiersbezogener Modernisierungsansatz verfolgt wird.

Erkenntnisse und mögliche Maßnahmen

Daraus zeigt sich, dass bei den Gebäudeeigentümern der Wohnquartiere nur ein geringes Bewusstsein für eine gesamtheitliche Modernisierung der Quartiere vorhanden ist. Die Kernkompetenzen liegen in den Bereichen der Bautechnik und Haustechnik. Darüber hinausgehende Themen der Grünraumplanung, Vermeidung sommerlicher Überwärmung, Mobilitätsplanung, smarte IT-Infrastruktur, gesellschaftliche Wohntrends wie Wohnen und Arbeiten im Quartier sind von untergeordneter Bedeutung und entsprechendes Know-how ist bei den Modernisierungsverantwortlichen nicht ausreichend aufgebaut. Hinzu kommt, dass die Modernisierung von Quartieren im Verantwortungsbereich von zwei Eigentümern liegt: die Gebäude und Innenhöfe befinden sich im Eigentum von Wohnbauträgern oder institutionellen Eigentümern. Die Freiräume mit Verkehrsflächen und Grünzonen befinden sich im Eigentum der Städte. Diese aufgeteilten Zuständigkeiten und die daraus resultierenden komplexen Prozesse erschweren eine gesamtheitliche Modernisierung eines Quartiers. Eine weitere Hürde ist der zusätzliche zeitliche Ressourcenbedarf, wodurch sich eine Kapazitäts- und Kompetenzlücke bei den Verantwortlichen ergibt.

Mit folgenden Maßnahmen können diese Lücken geschlossen werden:

  • Finanzierungsmodell für Quartiersmodernisierungen
  • Support für die Erstellung von Machbarkeitskonzepten
  • Kompetenzaufbau bei den Akteursgruppen
  • Bewusstseinsbildung für Qualitäten von Arbeitersiedlungen

Als nächster Schritt ist ein Prozessdialog mit vertiefenden Informationen mit allen relevanten Akteursgruppen geplant.

Eine ausführliche Darstellung der Analyse und Ergebnisse finden Sie im Endbericht.

 

 

Südtiroler Siedlung in Bregenz um 1950

Südtiroler Siedlung in Bregenz um 1950 | Quelle: Stadtarchiv Bregenz, StAB 973495

 

zuletzt aktualisiert am 11.02.2021

 

 

 
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