QUEEN Gudrun II: Quartiererneuerung Energieeffizienz und Nachhaltigkeit in der Gudrunstrasse II

Mit 118 Gebäuden im typischen Wiener Baustilmix, einem thermischen Energieverbrauch von rund 35 GWh/a sowie CO2-Emissionen im Ausmaß von etwa 12.000 t/a stellt das Blocksanierungsgebiet „Gudrunstraße II“ einen aussagekräftigen Repräsentanten für zahlreiche Wiener Wohngebiete dar. Nun soll erstmals ein ganzheitliches, umsetzungsorientiertes Musterkonzept für ein derartig großes zusammenhängendes Stadtgebiet erarbeitet werden, wobei der Fokus auf das Spannungsfeld von effektiven Sanierungen bei möglichst geringen Mieten gelegt wird. In einem partizipativen Planungsprozess wird es u.a. zur Umsetzung einer Leuchtturm-Demonstrationssanierung mit ressourcenschonender Nachverdichtung eines Gründerzeitgebäudes unter Einsatz innovativer technischer Lösungen kommen. Zudem wird erstmals ein Pilotversuch zum Aufbau einer Energiegemeinschaft gestartet, um der Bevölkerung einen Zugang zu erneuerbaren Energiequellen zu verschaffen und dadurch die kommunale Energietransformation zu beschleunigen.

Ausgangssituation

Das Blocksanierungsgebiet „Gudrunstraße II“ umfasst 118 Gebäude und liegt im Norden des dicht bebauten 10. Wiener Gemeindebezirks, welcher den historischen Arbeiterbezirk Favoritens bildet. Großteils überwiegt die Blockrandbebauung aus gründerzeitlichen Zinshäusern, die sich jedoch mit unterklassig bebauten Liegenschaften und Neubauten abwechselt. Voruntersuchungen im Gebiet ergaben, dass ein vergleichsweise hoher Sanierungsbedarf der Bausubstanz vorliegt und das Gebiet einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Substandardwohnungen aufweist. Dies hat zur Folge, dass insbesondere sozial schwächere Familien und BewohnerInnen dort anzutreffen sind. Es handelt es sich um ein typisch „historisch gewachsenes“ Stadtviertel, in dem sich einerseits Gebäude aus der Gründerzeit wie auch Gebäude aus allen Generationen der Nachkriegszeit befinden. Somit ist dieses Projekt repräsentativ für zahlreiche weitere Wohngebiete in Wien, die in derselben Art strukturiert sind. Eine erste Abschätzung des Endenergieverbrauchs und der CO2-Emissionen für die Bereiche Raumwärme und Warmwasser zeigt, dass der thermische Energieverbrauch aktuell 35 GWh/a übersteigt. Da die Versorgung überwiegend mit dezentralen Erdgas-Heizungen erfolgt, resultiert daraus ein jährlicher CO2-Ausstoß von 12.000 Tonnen. Eine erste Abschätzung auf Basis von Erfahrungswerten der Projektpartner, wie sehr der Energieverbrauch durch Sanierungen gesenkt werden kann, zeigt ein theoretisches Einsparpotential von mehr als 80 %.

Ziele & Ergebnisse

Das Projekt verfolgt die Vision, dass die aktuelle Ausgangslage im Gebiet „Gudrunstraße II“ soweit gewandelt wird, dass das Quartier zu einer Vorzeigeregion für Wien wird. Bis zum Jahr 2030 soll, so die Vision, eine weitreichende Verbreitung der demonstrierten Technologien und Strategien erfolgen können, sodass durch katalysierte Folgeprojekte das Gebiet „Gudrunstraße II“ eine weitreichende Umsetzung des Masterplans möglich macht. Im Rahmen des Projekts werden dazu die Aktionsfelder „Energieversorgung und -nutzung“, „Bestand und Neubau“, „Stadtökologie und Klimawandelanpassung“ sowie „Kommunikation und Vernetzung“ inhaltlich erörtert und abgehandelt. Konkrete geplante Maßnahmenumsetzungen umfassen das Leuchtturm-Projekt der Sanierung eines typischen Gründerzeitgebäudes, den Pilotversuch einer Energiegemeinschaft und die demonstrative Umsetzung exemplarischer Maßnahmen. Um diese Vision und den dargestellten Projektprozess erreichen zu können, sind folgende messbare und prüfbare Ziele definiert worden: die Entwicklung eines umsetzungsorientierten Masterplans für das Gebiet „Gudrunstraße II“, um dieses in eine Wiener Vorzeigeregion zu verwandeln und in diesem bis zum Jahr 2050 CO2-Neutralität erreichen zu können; die demonstrative Umsetzung eines Leuchtturm-Sanierungsprojekts mit Nachverdichtung eines typischen, repräsentativen Gründerzeit-Gebäudes; die Umsetzung eines Pilotversuchs einer Photovoltaik-Energiegemeinschaft, wobei der Zugang zu erneuerbaren Energien sämtlichen interessierten BewohnerInnen im Gebiet „Gudrunstraße II“ ermöglicht werden soll; die Erreichung eines hohen Anteils an ProjektinteressentInnen und ProjektteilnehmerInnen; eine Verbesserung des städtischen Mikroklimas durch die demonstrative Umsetzung von Stadtbegrünungstechniken, wodurch die positiven Auswirkungen auf das Mikroklima in Gebäudenähe demonstriert und die durch Stadtgrün gesteigerte Freiraumqualität vermittelt werden soll.

Innovation

Der erste Innovationsansatz ist die Umsetzung einer Energiegemeinschaft unter Ausnutzung des Strommarkt-Ansatzes der Kooperationspartner und unter Mitwirkung des wohnfonds_Wien. Der im Projekt angewendete Strom-Marktplatz und das Modell der sharing community erlauben eine Eigenvermarktung von privatem Strom an andere Teilnehmer der Gemeinschaft. Zusätzlich besteht bei diesem Ansatz nun erstmals die Möglichkeit, optimierend über eine Wohnanlage hinaus in das Netz einzugreifen, indem nicht Erzeugungsanlagen weggeschaltet werden, sondern bei Überschussproduktion zeitunkritische Verbraucher zugeschaltet werden, um die Energie regional sofort zu verbrauchen. Der zweite Innovationsansatz ist die erstmalige, demonstrative Installation eines Systems zur gleichzeitigen stofflichen und thermischen Verwertung von Grauwasser. Das System ermöglicht die Nutzung von in Gebäuden anfallendem warmen Grauwasser als thermische und stoffliche Ressource, indem das Grauwasser gereinigt, Wärme rückgewonnen und das Filtrat zur Bewässerung einer Fassadenbegrünung genutzt wird. Dieses System wird derzeit im Rahmen des vom Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie geförderten Forschungsprojekts „greenWATERrecycling“ bis in das Prototypen-Stadium entwickelt. Der dritte Innovationsansatz ist die Entwicklung eines Maßnahmenplans zur ganzheitlichen Sanierung und Förderung des Projektgebietes „Gudrunstraße II“, der in den folgenden zehn Jahren größtenteils umgesetzt werden soll. Ein wesentlicher Punkt, um die tatsächliche Umsetzbarkeit zu gewährleisten, ist dabei die Errichtung des Leuchtturmprojekts eines typischen Gründerzeitgebäudes, wo die Durchführbarkeit der Maßnahmen getestet werden kann. Ein relevanter Aspekt des Maßnahmenplans ist zudem ein innovatives Finanzierungmodell für die Sanierungen der einzelnen Wohnblöcke, z.B. in thermischer Hinsicht, dass die Erhaltung leistbarer Mietzinse für die derzeitige Bevölkerung erreicht werden kann.

Forschungsergebnisse in die Praxis überleiten

Das im laufenden Forschungsprojekt „greenWATERrecycling“ entwickelte Konzept zur gleichzeitigen stofflichen und thermischen Verwertung von Grauwasser wird im Projekt „QUEEN Gudrun II“ in einem Demonstrationsgedäude umgesetzt. Ebenso wird das von eFriends Energy GmbH entwickelte Modell der Energiegemeinschaft und des gemeinsamen Strommarkts erstmals im urbanen Umfeld zur Anwendung kommen. Zudem fließen Forschungsergebnisse aus dem Netzwerk von GRÜNSTATTGRAU direkt in den Masterplan mit ein.

Stadt als Testbed nutzen

Die Sanierung eines typischen Gründerzeitgebäudes wird als Leuchtturm-Projekt umgesetzt. Zudem wird anhand eines demonstrativen Pilotversuchs erstmals das Modell einer gebäudeübergreifenden Energiegemeinschaft realisiert. Ebenso werden in enger Vernetzung mit anderen Projekten, wie „50GrüneHäuser“, Stadtbegrünungstechniken demonstrativ umgesetzt und analysiert. Ein starker Fokus wird auch auf Dialoge zwischen Bevölkerung und Beteiligten sowie ökologische und sozial nachhaltige Aspekte gelegt.

Kommunalen Mehrwert erzeugen

Kurzfristige Auswirkungen der getesteten Lösungen werden unmittelbar im partizipativen Planungsprozess evaluiert. Mittel- und langfristige Auswirkungen sollen anhand des entwickelten Masterplans und über den wohnfonds_Wien und die Gebietsbetreuung evaluiert werden. Die wirtschaftliche Machbarkeit wird anhand des Leuchtturm-Projekts und des Pilotversuchs der Energiegemeinschaft demonstriert. Zudem spielt die sozial verträgliche Finanzierbarkeit der Maßnahmen eine wesentliche Rolle.

Summary

The quartier rehabilitation area "Gudrunstrasse II" is a typical "historically grown" quarter, which contains buildings from the “Gründerzeit” as well as buildings from all generations of the post-war period. Thus, this project is representative of numerous other residential areas in Vienna, which are structured in the same way. The quartier rehabilitation area comprises a total of 118 buildings, the construction of which is largely in need of refurbishment. An estimate of the final energy consumption and CO2-emissions of the Gudrunstraße II area for room heating and domestic hot water use for the different construction epochs shows that thermal energy consumption currently exceeds 35 GWh/a. As the supply is mainly provided by decentralized natural gas heating systems, this leads to annual CO2-emissions of 12,000 tones. A first estimate shows a theoretical energy saving potential through comprehensive renovations of more than 80 %. At the moment, however, there are no tried-and-tested, holistic model concepts for comparably large building projects with well over 100 typical apartment buildings in order to implement energy-efficient, socially and environmentally friendly renovations within a reasonable time frame. In the present project, therefore, the fields of action "Energy Supply & Utilization", "Inventory & New Buildings", "Urban Ecology & Climate Change Adaptation" as well as "Communication & Networking" are addressed and treated intensively. As part of the project, a demonstration building will be implemented as a lighthouse-refurbishment, whereby a world-wide first demonstrator for the simultaneous material and thermal utilization of greywater will be used. As part of a pilot experiment, an energy community will be set up for the first time, which can exchange self-generated energy among its memebers. In addition, a participatory planning process will be held with residents and relevant actors to develop a masterplan for measures for the area.

Zuletzt aktualisiert am 03/31/2020

Projektdaten – Umsetzungsprojekt im 11. Call

Projektstart: 01.07.2020
Projektende: 28.06.2023
Genehmigte Förderung: € 479.695
Genehmigte Projektgesamtkosten: € 799.493

Konsortium

Schöberl & Pöll GmbH (Konsortialführer)
Trimmel Wall Architekten ZTGmbH
eFriends Energy GmbH
GRÜNSTATTGRAU Forschungs- und Innovations GmbH
GEBE-STREBEL GmbH

Ansprechpersonen

Projektleitung DI Klemens Schlögl Schöberl & Pöll GmbH +43 (0) 1 7264566 - 14 E-Mail
Programm-Management Klima- und Energiefonds Mag. Heinz Buschmann, MSc +43 (0)1 585 03 90 E-Mail