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#1 Jänner 2018 - Frauen in Fahrt

Das Fahrrad ist ein Multitalent. Fahrrad fahren macht Spaß, Fahrrad fahren ist gesund. Nicht nur für unseren Körper. Auch für eine gute Zukunft auf diesem Planeten ist es lohnend, sich auf den Sattel zu schwingen.

„Das Gefühl ist unfassbar, das kann man nicht beschreiben“, erzählt Somia Babiker von jenem Moment, in dem sie sich erstmals auf einem Fahrrad sicher fühlte. Die meisten Kinder, möchte man meinen, lernen Radfahren kurz nachdem sie gelernt haben zu gehen. Schwimmen, Gehen, Fahrradfahren, all das zu können, scheint eine Selbstverständlichkeit zu sein. Ob, wann und wo wir es tun, entscheiden wir fast nach Belieben. Doch für Somia war das Radfahren nicht immer selbstverständlich. Sie war bereits erwachsen, als sie es erlernte. In vielen Ländern und Kulturen dürfen Mädchen und Frauen nicht mit Fahrrädern fahren.

Mobilität als Inbegriff von Freiheit und Selbstbestimmtheit

Doch das Fahrrad ist nicht nur eines von vielen beliebig austauschbaren Fortbewegungsmitteln. Seit jeher ist es auch ein Vehikel weiblicher Emanzipation. Zur Zeit seiner Erfindung im 19. Jahrhundert diente es Männern als Freizeitvergnügen, für Frauen aber bedeutete es einen Gewinn an selbstbestimmter Mobilität. Fahrradfahren erfordert Mut, Selbstsicherheit, Selbstbewusstsein im öffentlichen Raum und nicht zuletzt praktische Kleidung. All das verschaffte Frauen neue Bewegungsfreiheit und damit selbstbestimmte gesellschaftliche Teilhabe.
Räumliche Mobilität ist nicht nur ein Grundbedürfnis des Menschen, sondern auch eine Notwendigkeit. Bildung, Arbeit, Freizeitgestaltung, soziale Kontakte und politischer Aktivismus finden großteils nicht im privaten Wohnraum statt. Mobilität ist damit der Inbegriff von Freiheit und Selbstbestimmtheit. Ihre bewusste Einschränkung wird folgerichtig auch von staatlicher Seite sowohl als radikales Mittel der Kontrolle als auch als existenzielle Strafe angewandt.

Den Umstieg aller sozialen Gruppen erleichtern

Bei der Gestaltung menschlicher räumlicher Mobilität ist es heutzutage unausweichlich, ihre Umweltverträglichkeit mitzubedenken. Für die Umsetzung des Übereinkommens von Paris, das eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 80 Prozent vorschreibt, spielt die Stärkung emissionsloser Fortbewegungsmethoden eine bedeutende Rolle. Der österreichische Klima- und Energiefonds baut hierbei Brücken zwischen Forschung und der Umsetzung innovativer Lösungen. Dabei setzt er auch auf die gezielte Ansprache aller sozialen Gruppen bei der Förderung des Umstiegs auf nachhaltige Verkehrsmittel.
Das Fahrrad ist ein besonders niederschwelliges, kostengünstiges, gesundes, umweltfreundliches und dabei unvergleichlich effizientes Gefährt. Um ein Fahrrad zu verwenden, benötigt man keinen Führerschein. Der laufende Betrieb erfordert so geringe Mittel, dass auch Personen, die sich selbst öffentliche Verkehrsmittel nicht leisten können, damit mobil sein können. Vorausgesetzt, sie haben ein Fahrrad zur Verfügung und beherrschen das Fahren. Hier setzt eine Vielzahl von Initiativen an, die günstig bis kostenlos Fahrräder vermitteln. Sie leisten Unterstützung bei der Reparatur und Instandhaltung und bieten Fahrradfahrkurse an. Auch Leihräder und Bikesharing bieten eine Möglichkeit, flexibel unterwegs zu sein. Der Zugang zu den Systemen ist jedoch häufig durch das Erfordernis einer Kreditkarte oder eines inländischen Bankkontos erschwert.

Radeln säen

Als Somia Babiker in Wien von dem Fahrradkurs „Frauen in Fahrt“ für Migrantinnen erfuhr, beschloss sie, daran teilzunehmen. Seit sie mit fünf Jahren in ihrer Heimat, dem Sudan, das Fahrrad ihres Bruders im privaten Bereich ausprobiert hatte, wollte sie immer Fahrrad fahren. Doch sie durfte nicht.
Mit sechs Jahren war es vorbei – Mädchen fahren nicht Rad. Doch sie will mit ihren Kindern gemeinsam fahren können, nicht nur zusehen und warten, bis sie zurückkommen. Und sie möchte das Fahrrad fahren auch anderen Frauen beibringen. Damit diese es ihren Kindern, auch ihren Töchtern beibringen können. Sie ist eine Multiplikatorin, wie einstmals Queen Victoria, die gegen die damalige Konvention das Rad bestieg, ihren Töchtern Fahrräder schenkte und damit dieses Verkehrsmittel gesellschaftstauglich machte.
Nach einem Fortgeschrittenenkurs und einer Trainerinnenausbildung leitet Somia nun selber Fahrradkurse. Wichtig ist ihr, die Teilnehmerinnen zu motivieren: Bei Erwachsenen spielt Angst eine viel größere Rolle als bei Kindern. Sie stärkt den Glauben der Frauen an sich selbst, denn wenn sie Fahrrad fahren lernen wollen, dann können sie das auch. Somia selbst ist das beste Beispiel dafür.

 
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