Smart Marchtrenk

Die Stadt Marchtrenk, am Schnittpunkt der Städte Linz und Wels, konzipierte die Entwicklung eines smarten neuen Stadtteils auf einem Areal, das einer Nutzung zugeführt wurde. Zentraler Faktor war ein systemübergreifendes, intelligentes und effizientes Energiekonzept für Strom, Verkehr und Wärme, das auf andere Regionen übertragbar ist und die Schnittstellen Mensch zu Wohnplatz, Arbeitsplatz und Energiebereitstellung berücksichtigt.

Ausgangssituation

In aktuell noch peripheren urbanen Regionen wie Marchtrenk bestand die Herausforderung, neue Mobilitätslösungen zur Eindämmung der Verkehrs- und Umweltproblematik, aber auch intelligente ressourcenschonende und emissionsfreie Lösungen für die Segmente Strom und Wärme umzusetzen. Die gegenwärtigen demografischen Prognosen veranschaulichen, dass durch den Trend der Suburbanisierung viele urbane Regionen in den nächsten Jahrzehnten zu großen Ballungszentren zusammenwachsen werden. Die Stadt Marchtrenk (derzeit 12.000 Einwohner) liegt am Schnittpunkt der beiden Kernzonen/Städte Linz und Wels, sodass die Rolle und Positionierung von Marchtrenk für die zukünftige räumliche und nachhaltige Entwicklung dieser Siedlungsachse von wesentlicher Bedeutung ist. Die Analyse der Entwicklungen der Vergangenheit und die Perspektiven für die Zukunft deuten auf die Probleme, Chancen und Herausforderungen der Entwicklung einer Stadt-Umland-Gemeinde wie Marchtrenk hin. Einerseits kann die Stadtgemeinde aufgrund ihrer attraktiven geografischen Lage enorm wirtschaftlich profitieren. Die Gemeinde bietet eine ausgezeichnete Kombination von attraktivem Wirtschaftsstandort und ländlichem Wohngebiet. Die zunehmende Lärmbelastung durch den Verkehr und der Verlust an Freiräumen durch die dynamische Siedlungsentwicklung betrifft andererseits auch die Lebensqualität der Bewohner. Darüber hinaus verstärken ein hoher Pendleranteil und die Zunahme des motorisierten Individualverkehrs diese Entwicklung.

Erarbeitete Vision

Marchtrenk als „Smart City“ wurde zum Vorzeigeprojekt für periphere urbane Regionen und fungierite als Bindeglied zwischen Kernstädten. Es galt den motorisierten Individualverkehr einzudämmen und den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und anderer Verkehrsnetzwerke zu forcieren. Um eine nachhaltige, positive Entwicklung in Marchtrenk zu forcieren, war eine starke Einbindung der Entscheidungsträger in Entwicklungsprojekte von Bedeutung. Eine Intensivierung der Kooperationen mit der „LEADER-Region“ und der Klima- und Energie-Modellregion Wels-Land (mit der Energiehauptstadt Wels und anderen umliegenden Gemeinden) wurde angestrebt. Die Vielzahl an Aktivitäten im Klima- und Energiebereich wurden durch ein neues ganzheitliches Projekt kanalisiert (Demonstrationsprojekt Sternmühle). So wurde im Rahmen des Projekts „SMARchTrenk“ ein Konzept für die mögliche optimale Ausgestaltung der Region, mit detailliertem Fokus auf einen spezifischen smarten Stadtteil erarbeitet.

Erarbeiteter Maßnahmenplan

Erschließung des Areals der Sternmühle und Errichtung eines smarten Stadtteils, der folgende Komponenten vereinte:

  • Konzeption eines optimalen Nutzungskonzepts im Sinne von „Smart Building“
  • Realisierung innovativer Neubaukonzepte in Kombination mit der Revitalisierung von Altbestand
  • Innovatives Energiekonzept im Sinne einer Eigenbedarfsdeckung durch erneuerbarer Energieträger vor Ort für Strom- und Wärmeverbrauch sowie Elektromobilität
  • Energiebedarfsdeckung über Wasserkraft, Photovoltaik, Solarthermie und Wärmepumpen direkt am Areal/im Siedlungsgebiet
  • Erstellung benutzerfreundliches Elektromobilitätskonzept
  • Intelligente Lösungen für Schnittstellen Mensch-Wohnen, Mensch-Arbeiten und Mensch-Energiebereitstellung
  • Übertragbarkeit des Konzepts für andere Regionen
  • Einbindung der Bewohner in nachhaltige Strukturen: Bewusstseinsbildung, Smart Metering

Ausblick

Im Rahmen des Projekts „SMARchTrenk“ wurde die Konzeptionierung des Demonstrationsprojekts des smarten Stadtteils Sternmühle forciert. Es wurdenhierbei noch insbesondere die Finanzierung sowie die Zusammensetzung des eigentlichen Umsetzungs-Konsortiums geschärft. Ziel war die Realisierung der gesamten smarten Siedlung in Form der systemübergreifenden intelligenten Lösung für eine smarte Region, in der neben effizienten Energiekonzepten (für Strom, Verkehr und Wärme) auch intelligente Lösungen für die Schnittstellen Mensch-Wohnplatz, Mensch-Arbeitsplatz und Mensch-Energiebereit-stellung umgesetzt wurden.

Notwendige Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten

  • Forschungsbedarf zur Anpassung rechtlicher Rahmenbedingungen für eine optimale Verschneidung von Produktion, Netzbetrieb und Versorgung in kleinräumlichen Anwendungen für ein optimiertes Energiemanagement zur Eigenversorgung einer kleinräumlichen Fläche auf Basis von erneuerbaren Energieträgern
  • Entwicklung neuer Finanzierungsinstrumente für großvolumige Projekte mit höheren Investitionskosten und niedrigeren Be-triebskosten (v.a. bei effizienten Energiesystemen, smarten Strukturen)
  • Weiterentwicklung von „Smart Grids“ und „Smart Metering“ in Businessgebäuden; Feldversuche zur Generierung und Implementierung von variablen Tarifen
  • Quantifizierung von volkswirtschaftlichen und regionalen Effekten eines „Smart City“-Projekts
  • Etablierung und Optimierung von Beteiligungsprozessen im Rahmen von „Smart City“-Projekten, um möglichst viele Interessenslagen zu berücksichtigen (Stadtgemeinde, Nutzer, Bewohner, Anrainer, Öffentlichkeit)

Forschungsergebnisse in die Praxis überleiten

Die enge Verschränkung von wissenschaftlichen und praktischen Zielen und Fragestellungen ist zentrales Merkmal des Projektes: Das Umsetzungsprojekt baut dabei auf den Ergebnissen der Sondierungsstudie auf. Die Strategie hinter Pocket Mannerhatten setzt Anreize zur qualitätsvollen Nachverdichtung und zum Initiieren von Maßnahmen, u.a. in den Bereichen Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Begrünung.

Stadt als Testbed nutzen

Der starke transdisziplinäre Charakter des Projektes spiegelt sich in der Zusammensetzung des Konsortiums und in dem intensiven Austausch mit unterschiedlichen AkteurInnen (MieterInnen, EigentümerInnen) wider. Vor allem im Rahmen der Partizipationsmaßnahmen werden die Motive, Ziele, Hemmnisse und Wünsche der Beteiligten intensiv untersucht. Diese Erkenntnisse fließen in die Umsetzung der Maßnahmen ein.

Kommunalen Mehrwert erzeugen

Zentral für das Projekt sind die Kooperationen mit den PartnerInnen der öffentlichen Hand bzw. Verwaltung. In diesem Kontext ist beispielsweise die Nominierung des Projektes als Kandidat der IBA_Wien und die Zusammenarbeit mit den Magistratsabteilungen MA 20 und MA 50 zu nennen. Speziell für die Übertragbarkeit der Erkenntnisse sind diese Zusammenarbeiten wichtig.

Zuletzt aktualisiert am 05/15/2020

Projektergebnisse

Ansprechpersonen

Projektleitung

Dr. Robert Tichler
Energieinstitut an der Johannes Kepler Universität Linz GmbH

Tel: +43(0)732 2468 5659

E-Mail

Programm-Management Klima- und Energiefonds Mag.a Daniela Kain +43 (0)1 585 03 90-27 +43 (0)664 886 24 428 E-Mail