iENERGY 2.0 Weiz-Gleisdorf

Die Region Weiz-Gleisdorf ist eine stark wachsende urbane Region mit 18 Gemeinden (Anmerkung: zwölf Gemeinden ab 1.1.2015) und den Städten Weiz und Gleisdorf (45.400 Einwohner) und ist 20 Kilometer östlich der Stadt Graz gelegen. Es existieren die ganz typischen Herausforderungen einer wachsenden Region (steigender Energiekonsum, Zersiedelung, spezifisch hohe Kosten für Infrastruktur und öffentliche Dienstleistungen etc.) und aufgrund der Nähe zu Graz speziell die „Pendlerproblematik“ im Bereich des motorisierten Individualverkehrs.

“iENERGY Weiz-Gleisdorf 2.0 – die Macht einer Vision!” bildet die sichtbare Vorwegnahme der Energievision 2050 in Form einzelner Demonstrationsvorhaben. Nachhaltige Gesamtlösungen entstehen in erster Linie durch Stakeholderbeteiligung. Der Einsatz innovativer Technologien bzw. deren Integration zu intelligenten Produkten und Dienstleistungen bilden wichtige Impulse für das Energie-Bewusstsein der Menschen.

Um eine nachhaltige Entwicklung der urbanen Region sicherzustellen, wurde im ersten Schritt im Vorgängerprojekt eine Energie-Vision „Weiz-Gleisdorf 2050“ entwickelt. Die Vision wurde auf Basis einer Szenarienanalyse und mittels Einbeziehung sämtlicher regionaler Stakeholder entwickelt. Die angestrebte Entwicklung der Region in Richtung „zero emission“ bedeutet ein Umdenken der Menschen auf allen Ebenen – insbesondere hinsichtlich der zugrundeliegenden Systeme für Wirtschaft, Verkehr und Energie sowie einer Änderung der Verhaltens- und Lebensweise der Menschen selbst. Die Notwendigkeit für nachhaltige Systeme ist aufgrund der beschränkten Ressourcensituation einleuchtend und somit allgemein akzeptiert – die Frage ist nur, wann und mit welchen finanziellen Mitteln geschieht dieser Wandel?

Inhalte und Zielsetzungen

Ziel dieses Projektes ist die sichtbare Vorwegnahme dieser Vision in Form einzelner Demonstrationsvorhaben d.h. die öffentliche Sichtbarmachung visionärer Gesamtenergielösungen im Kontext zu „Smart Cities“ bzw. „Smart Urban Regions“, erneuerbaren Energieformen, Energieeffizienz sowie regionaler Energieautonomie.

In der Energieregion Weiz-Gleisdorf wurden u.a. folgende Demonstrationsvorhaben implementiert, welche die Vision auf unterschiedlichen Ebenen verdeutlichen:

Ebene: Region

  • iEnergy Vision Monitor: Gibt der Bevölkerung Auskunft über den aktuellen
    Status hinsichtlich der Umsetzung der Energie-Vision.
  • iEnergy Origin Scan: Informiert über die reale Stromzusammensetzung im Bereich seiner Verbrauchsstätte.

Ebene: Demonstrationsobjekte (Energieautonomie)

  • Nutzer-Segment „Gewerbe, Dienstleistung“: Innovationszentrum W.E.I.Z. IV
  • Nutzer-Segment „Private“: Hocheffiziente Passivhaussanierung Gleisdorf

Zusätzlich zu diesen erfolgreich umgesetzten Teilprojekten wurden im vorliegenden Projekt auch noch die Bereiche

Ebene: Region

  • iEnergy Aid Fund: Breite Bürgerbeteiligung an Energieeffizienz-Projekten und Projekten zum Ausbau erneuerbarer Energiesysteme in der Region.

Ebene: Demonstrationsprojekte

  • Nutzer-Segment „Industrie“ ELIN Motoren
  • Nutzer-Segment „Öffentliche“ Siedlung Smart-x

bearbeitet.

Die Umsetzung innovativer Mobilitätskonzepte, der Einsatz von E-Mobilität sowie die Organisation einschlägiger Stakeholder-Workshops mit dem Fokus Mobilität verbinden zudem die einzelnen Teilprojekte und berücksichtigen darüber hinaus die speziellen Herausforderungen im Zusammenspiel mit dem Großraum Graz („PendlerInnenproblematik“).

Methodische Vorgehensweise

Das Projekt besteht aus sieben unterschiedlichen Demonstrationsvorhaben. Während die Zielsetzungen und Zielgruppen der einzelnen Vorhaben unterschiedlich sind, wird bei allen derselbe methodische Zugang gewählt.

Den Ausgangspunkt für die Entwicklung der nachhaltigen Gesamtlösungen bildet stets eine Stakeholderbeteiligung. Dabei werden im Konsortium entwickelte Konzepte zur Diskussion gestellt und gemeinsam mit den Beteiligten überarbeitet und verbessert. Die Umsetzung erfolgt gemäß Projektmanagementstandards, wobei besonders die Einbeziehung der Nutzer in allen Phasen gewährleistet ist. In der abschließenden Monitoring-Phase wird die Zielerreichung überprüft und Rückschlüsse für Folgeprojekte gezogen.

Eine weitere Besonderheit bildet die Einbeziehung des wissenschaftlichen Partners, der TU Graz. Diese stellt ein sogenanntes „Expert Pool“ zur Verfügung, welches sich aus Wissenschaftlern unterschiedlicher Institute zusammensetzt. Je nach Projekterfordernis und Fragestellung werden anschließend interdisziplinäre Teams gebildet.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen

Die erfolgreiche Umsetzung des Projekts verdeutlichte die zentralen Erfolgsfaktoren eines smarten und innovativen Vorhabens wie „iENERGY Weiz-Gleisdorf 2.0 – die Macht einer Vision!“: die Einbindung der (über-)regionalen Stakeholder, die interdisziplinäre Zusammensetzung des Projektkonsortiums, der Wille der KonsortialpartnerInnen etwas Zukunftsweisendes im Sinne der nachhaltigen Regionalentwicklung zu schaffen, ohne Individualinteressen in den Vordergrund zu stellen, sowie ein flexibles und lösungsorientiertes Management.

Durch gesamt- sowie spezifische teilprojektbegleitende Stakeholderprozesse wurde nicht nur ein Raum für Diskussion, sondern auch Möglichkeiten zur Information, Partizipation und Identifikation der unterschiedlichen Anspruchsgruppen geschaffen und so eine effektive und integrierte Projektumsetzung sichergestellt. Die interdisziplinäre Zusammensetzung des Projektkonsortiums gewährleistete die Einbringungen unterschiedlicher Betrachtungsweisen und Expertisen sowie die Nutzung komplementärer Netzwerke. Leadership und Mut als Ergebnis einer ausgeprägten intrinsischen Motivation des Konsortiums zur smarten Weiterentwicklung der Region und das damit einhergehende Zurückstellen wirtschaftlicher Individualinteressen ermöglichten die Verfolgung richtungsweisender Problemlösungen. Durch das flexible und lösungsorientierte Projektmanagement war es möglich, die notwendigen Maßnahmen zur erfolgreichen Projektumsetzung an die dynamischen und volatilen Rahmenbedingungen anzupassen.

Weiters zeigte das Projekt das Potenzial für die smarte Entwicklung der Energieregion Weiz-Gleisdorf auf, welches durch den gezielten Einsatz innovativer Technologien, Systeme und Strukturen zukünftig genutzt werden kann. Besonders erfolgsversprechend sind in diesem Zusammenhang die energie- und emissionsintensiven Segmente Mobilität, Gebäudesanierung, Energiesysteme sowie die begleitende Bewusstseinsbildung der regionalen Stakeholder. Das durch das Projekt generierte Wissen können und werden jedoch nicht ausschließlich die Mitglieder des Projektkonsortiums als Basis für Folgeprojekte innerhalb und außerhalb der Energieregion Weiz-Gleisdorf nutzen.

Die konsequente Aufbereitung und Dissemination der erarbeiteten Wissensbasis schafft die notwendige Grundlage gleichsam Akteuren aus den Bereichen Forschung, öffentliche Verwaltung, Privatwirtschaft und Privatpersonen das bisher Erarbeitete anzuwenden, anzupassen und weiterzuentwickeln.

Die Ergebnisse und Erfahrungen dieses Projektes bieten eine gute Basis für Folgeprojekte – tlw. sind diese Projekte bereits in der Region gestartet, andere Problemstellungen und deren Lösungsansätze hingegen werden von den Projektpartnern in noch zu definierenden Förderanträgen (z.B. Vorzeigeregion Energie) weiterverfolgt. Überdies wäre wünschenswert, dass sich andere Regionen und die einzelnen Gemeinden der Energieregion noch intensiver mit den Projektergebnissen auseinandersetzen, sich Lösungsansätze dieses Projektes für den weiteren Weg hin zur Vision 2050 als Vorbild nehmen, diese adaptieren und entsprechend aktueller Rahmenbedingungen anwenden. Weiters bleibt zu wünschen, dass sie Demo-Vorhaben als Standardlösungen multiplizieren, BürgerInnen/EndkundInnen noch aktiver in den Transformationsprozess einbinden (Stichwort „Gamefikation“), dass sie als Region/Gemeinde der Vision mittels kommunaler Gesetzgebung auch das notwendige Maß an Verbindlichkeit verleihen und sonstige Umsetzungsbarrieren (u.a. durch überregionale Finanzierungs-mechanismen, z.B. revolvierende Fonds) beseitigen.

Ausblick

Die relevanten Projektpartner planen u.a. die (über-) regionale Erweiterung der Smart-Cities-Aktivitäten im Rahmen des Programmes „Vorzeigeregion Energie“. Die Städte und suburbanen Räume wachsen rasant und fordern nachhaltige Energie- und Mobilitätslösungen, wobei gerade in den Sektoren Wärme und Mobilität entsprechender Nachholbedarf im Vergleich zum Stromsektor herrscht.

Aus technologischer Sicht UND auf Ebene der Systemsicht sowie der Geschäftsmodelle erscheint den Speichertechnologien eine entscheidende Rolle zuzukommen. Überdies sollte die Konvergenz zwischen Energie- und IKT-Systeme (IKT als Integrator) verstärkt betrachtet werden.

Projektdaten – Umsetzungsprojekt im 2. Call aus dem Jahr 2011
Projektstart: 01.06.2012
Projektende: 31.01.2016
Förderung Forschungsteil genehmigt: € 741.400,–
Förderung Investteil genehmigt: € 1.000.000,–
Förderung Forschungsteil ausbezahlt: € 448.006,–
Förderung Investteil ausbezahlt: kein Antrag gestellt, wurde storniert
Konsortium
Energie Steiermark AG (Konsortialführer)
JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH
W.E.I.Z. Immobilien GmbH
Technische Universität Graz – Institut für Prozess- und Partikeltechnik
Baumeister Leitner, Planung & Bauaufsicht Gesellschaft mbH
Energieregion Weiz-Gleisdorf GmbH
Almenland & Energieregion Weiz-Gleisdorf Regionalentwicklung GmbH

Zuletzt aktualisiert am 05/11/2020

Projektergebnisse

Ansprechpersonen

Projektleitung

DI Mathias Schaffer
Energie Steiermark AG

Tel: +43(0)316 9000-53620

E-Mail

Programm-Management Klima- und Energiefonds Mag.a Daniela Kain +43 (0)1 585 03 90-27 +43 (0)664 886 24 428 E-Mail