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Mischung: Possible!

„Nutzungsmischung gibt uns die Möglichkeit, auch im näheren Umfeld ein qualitativ hochwertiges, vielfältiges und ökologisch nachhaltiges Leben zu führen – wenn sich das auf einer leistbaren Basis abspielt“, erklärt Christian Peer vom Institut für Architektur und Entwerfen an der Technischen Universität Wien. Gemeinsam mit seiner TU-Kollegin Silvia Forlati leitete er das vor kurzem abgeschlossene Projekt „Mischung: Possible!“.

Die Planung und Errichtung neuer Stadtteile ist ein hochkomplexes Unterfangen mit einer Vielzahl an Beteiligten: Die öffentliche Hand hat ihre Vorstellungen, RaumplanerInnen und ArchitektInnen entwickeln Masterpläne. Bei der Umsetzung sind GrundstückseigentümerInnen, InvestorInnen, Bauträger und Behörden gleichermaßen gefordert. Und natürlich sollte auch die Bevölkerung, die Nachbarn ebenso wie künftige NutzerInnen der Gebäude, eingebunden werden.

Da bleibt dann in der Baupraxis oft nicht mehr viel von den ursprünglichen Ideen und Plänen über. „Stadtentwicklungsgebiete brauchen daher eine Kuratorin oder einen Kurator – eine Person, die den gesamten Prozess von der Planung bis zur Umsetzung begleitet und darauf achtet, dass Ziele wie die Nutzungsmischung nicht Stück für Stück verloren gehen“, meint Peer.

Mischen macht die City smart – aber wie?

Zunächst stellt das F&E-Projekt verschiedene Ansätze zur Nutzungsmischung dar und wirft einen Blick auf drei Fallbeispiele aus der jüngeren Praxis der Wiener Stadtentwicklung – Wienerberg City, Nordbahnhof und Seestadt Aspern. Eine Liste von Do's und Dont's bechreibt, was in welcher Phase eines Stadtentwicklungsprojekts zu beachten ist. Ein wichtges Don't im Planungs- und Umsetzungsprozess lautet: „der Entwicklung ihren Lauf lassen“.

In einem zweiten Schritt wurden verschiedene Entwicklungsmodelle und Szenarien für künftige Stadtteile zu Mischkonstellationen und Impulsszenarien zusammengeführt. Die grafische Darstellung ermöglicht es auch Laien, die verschiedenen Möglichkeiten der Nutzungsmischung wie Scholle, vertikale Streuung oder völlige Nutzungsoffenheit sofort zu verstehen. Den Fachleuten wiederum wird die Komplexität der verschiedenen Ansätze zur Durchmischung in Netzdiagrammen anschaulich aufbereitet: Manche  Mischkonstellationen beinhalten beispielsweise besondere Herausforderungen in Sachen Brandschutz, andere beim Planungs- und Baurecht oder im Bereich der Kosten.

Das Wiener Nordbahnhof-Gelände als Experimentierfeld

Last but not least wurden im Rahmen von „Mischung: Possible!“ einige dieser Mischkonstellationen für das Stadtentwicklungsgebiet Nordbahnhof anhand des Masterplans von Studiovlay getestet. Den Kern dieses Sondierungsprojekts stellte der intensive Austausch zwischen allen am Projekt Beteiligten dar – mit dem Ziel, die dabei gewonnenen Erkenntnisse ebendiesen Gruppen in Form eines Booklets wieder zugänglich zu machen. „Der ehemalige Nordbahnhof könnte zu einem Hub werden, in dem die verschiedenen Formen der Nutzungsmischung getestet und weiterentwickelt werden“, so Peer.

Studiovlay hat im Masterplan die Gebäude an den Rand des Stadtentwicklungsgebiets gerückt und damit einen großen Freiraum in der Mitte geschaffen. Das kommt bei der Bevölkerung offenbar gut an, denn eine Bürgerinitiative setzt sich für die Umsetzung dieses Konzepts ein. Die im Rahmen von „Mischung: Possible!“ entwickelte Nutzungsmischung hat aber nicht nur Wohn-, Arbeits- und Frei(zeit)flächen im Visier, sondern bezieht auch Sozialeinrichtungen und Gemeinschaftsräume ein. Auch thematische Visionen wie eine Straße der Nachhaltigkeit, ein Quartiershochhaus als Fairness Flagship oder ein Haus der Vereinbarkeit wurden entwickelt.

Am 10. November 2016 stellten Forlati und Peer „Mischung: Possible!“ im Rahmen der IBA_Talks in Wien einem internationalen Fachpublikum vor.

Das Projekt wurde aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen der 5. Smart City Initiative des Klima- und Energiefonds (2015/2016) durchgeführt.

Bilder: copyright: Projektkonsortium Mischung: Possible

Projektbeschreibung: Nutzungsmischung Stadtraum – Mischung: Possible!

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