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#2 Februar 2018 - Eisblumen ante portas

268.000 Personen in Österreich sind finanziell nicht in der Lage, im Winter ihre Wohnung warm zu halten. Wenn die Energierechnung zu einer unverhältnismäßig großen finanziellen Belastung wird, spricht man von Energiearmut.

Am häufigsten von Energiearmut betroffen sind einkommensarme Haushalte, die in vordergründig günstigen Wohnungen leben. Diese befinden sich jedoch häufig in einem mangelhaften thermischen Zustand: Undichte oder alte Fenster und Türen, kalte Wände, veraltete Heiztechnologien. Oder gar keine Heizmöglichkeit. Man greift auf den unkomplizierten Elektroradiator zurück, und damit auf die teuerste aller Möglichkeiten. Der in die Jahre gekommene Kühlschrank macht es auch nicht besser.

Stromfresser

Das Problem tritt sowohl in Miet-, als auch in Eigentumsobjekten auf. Einkommensschwache Haushalte leiden da wie dort unter besonders hohen Energierechnungen. Es ist ein Teufelskreis: Die Wohnung ist unzureichend beheizbar. Die Geräte sind veraltete Stromfresser. Energieeffizienzmaßnahmen wie eine thermische Gebäudesanierung oder die Anschaffung sparsamer Geräte sind nicht bezahlbar. Die Energierechnung aber auch nicht. Zahlungsschwierigkeiten, Schulden und Stromabschaltung können die Folge sein. Wer es sich leisten kann, darf sich zwischen horrenden Energiekosten und dem Frieren, dem Schimmel, der Krankheit, der Dunkelheit entscheiden. Doch das Gebäude verfällt mangels Sanierung weiter, und die Energiearmut seiner Bewohnerschaft verstärkt sich.

Wohnen in der Kälte

Energiearme Haushalte bemühen sich, ihren Energieverbrauch stark einzuschränken. Häufig wird nur ein Raum der Wohnung beheizt, man reduziert die Temperaturen in allen Räumen radikal, schränkt Beleuchtung und Warmwassernutzung ein oder sucht auch untertags im Bett Schutz vor der Kälte. Doch um Energieeffizienzmaßnahmen umsetzen zu können, benötigen energiearme Haushalte unterstützende Strukturen. Eine besondere Herausforderung stellen dabei die teuren gebäudebezogenen Maßnahmen dar.

Ein vielschichtiges Phänomen

redEn! (Reduktion der Energiearmut durch Gebäudesanierung unter Beteiligung der Be-wohnerInnen), ein Projekt des Klima- und Energiefonds, setzt an genau diesem Punkt an: In drei Untersuchungsregionen wurde an konkreten Beispielen untersucht, unter welchen Bedingungen thermische Gebäu-desanierungen in Objekten mit einem hohen Anteil von energiearmen Haushalten umgesetzt werden können, ohne deren finanzielle Situation zu verschärfen. „Das Phänomen Energiearmut ist ein sehr vielschichtiges“, so Walter Hüttler, der Leiter des Projektes. Man musste feststellen, dass umfassende thermische Sanierungen bei den aktuellen Vergabestrategien für Fördermittel nicht umsetzbar sind, ohne die BewohnerInnen einen Teil der Kosten tragen zu lassen.
Dies führt gerade bei Fällen, in denen es besonders dringlich wäre dazu, dass nicht saniert wird. Doch so vielschichtig das Problem auch ist, so vielseitig sind auch die Möglichkeiten, ihm zu begegnen. Im Rahmen eines Gesamtsanierungskonzeptes sollten gezielte Einzelmaßnahmen gefördert werden“, empfiehlt Hüttler. Denn bereits die Abdichtung oder der Tausch von Fenstern hebe den Wohnkomfort und die Beheizbarkeit deutlich. Beratungen und Beteiligungsverfahren können die rechtliche und praktische Kompetenz von Betroffenen in Bezug auf ihren Energiehaushalt stärken. Die Förderung einer Mischung von BewohnerInnen mit unterschiedlichem finanziellen Status im selben Gebäude erleichtert die Rücklagenbildung, welche in der Folge Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen ermöglicht. Darüber hinaus sollten künftig soziale Kriterien in die Vergabestrategien von Sanierungsförderungen integriert werden, wenn Energiearmut langfristig bekämpft werden soll.

In einer echten Smart City ist Energiearmut ein Fremdwort

Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds: „Für alle Gebäude müssen wir die gleichen zeitgemäßen hohen Gebäudestandards anstreben, unabhängig davon, wer darin lebt. Davon profitieren bei weitem nicht nur die BewohnerInnen.“ Die Schaffung einer hohen Gebäudequalität reduziert auch Emissionen, verbessert den gesellschaftlichen Gesundheitsstatus, schafft Arbeitsplätze und steigert den Wert der Gebäude.
Auf dem Weg zu einer leistbaren energieeffi-zienten und klimaverträglichen Lebensweise in Österreichs Städten ist die Bewältigung von Energiearmut also eine Schlüsselaufgabe. Denn in diesem Feld vereinen sich die drei Ziele auf dringliche und machtvolle Weise.

„Energiearmut entsteht durch ein Wechsel-spiel von niedrigen Einkommen, geringer Energieeffizienz und hohen Energie- preisen.“
(Pilotprojekt Energiearmut)

 

 
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